CHUN 7 (1990)

CHUN 7 (1990)

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BERICHTE

BEITRÄGE

  • Shi Shiqing: 史世庆:逐步引导,逐步加深,逐步提高 – 谈使用录像做教材的高级班口语课的三个阶段
  • Lun Du/ Evi Hassel-Du: Plädoyer für die grammatische Kategorie "Chinesischer Konjunktiv"
  • Liu Runfang: Chinesische Modalverben
  • Peter Kupfer: Zur Differenzierung und Charakteristik des Fremd- und Lehnwortschatzes im Chinesischen
  • C.Y. Wang: Innovations in Beginning Chinese Teaching Methods in American Universities

CHINESISCHUNTERRICHT IM ÜBERBLICK

  • Luo Minyan: Angewandte Wirtschaftssprachen (AWS)
  • Manuel Vermeer: Modellstudiengang Marketing Ostasien
  • Zusatzstudiengang mit den Studienrichtungen "Modernes China" oder "Modernes Japan" (Ostasien-Institut/Universität Düsseldorf)

REZENSIONEN

  • Wolfgang Lippert: Tan Aoshuang: Ucebnik sovremennogo kitajskogo razgovornogo jazyka (Lehrbuch der modernen chinesischen Umgangssprache), izdanie 2e, ispravlennoe, Moskva, Isdatel'stvo "Nauka", Glavnaja redakcija vostocnoj literatury, 1988

NACHRICHTEN

MITTEILUNGEN

Workshop Dolmetschen für Chinesisch

Vom 27.-29.9.1989 fand am Fachbereich Angewandte Sprachwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim der „Workshop Dolmetschen für Chinesisch" statt. Bedauerlicherweise konnten die meisten der im Beruf stehenden Dolmetscher/innen der Einladung zum Workshop zumeist aus Zeitgründen nicht folgen. Es nahmen jedoch viele Vertreter/innen aus der Lehre teil, die fast alle nebenberuflich gedolmetscht haben. Außerdem waren zahlreiche Student/inn/en anwesend, die sich auf diese Weise einen Einblick in den Beruf des Dolmetschers verschaffen wollten.

Im 1. Teil standen Fragen der Berufspraxis im Mittelpunkt der Diskussion. Leider reichte die Zeit bei weitem nicht aus, um alle Punkte der äußerst komplexen Materie zu besprechen. Die Diskussion konzentrierte sich auf folgende Punkte:

  1. fehlende Bedarfsanalyse auf dem Markt;
  2. fehlende Informationen über die genaue Situation der Dolmetscher/innen.
  3. mangelndes Bewußtsein der deutschen Firmen über das Angebot von Dolmetscher/innen für Chinesisch
  4. mangelndes Interesse der sinologischen Institute in der Bundesrepublik an sprach- und übersetzungswissenschaftlichen Themen;
  5. fehlende Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für Dolmetscher/innen im universitären und nicht-universitären Bereich.

Im 2. Teil folgten praktische Übungen in der Dolmetschanlage unter Anleitung von Frau Höfle von der Fachgruppe Dolmetschen am Fachbereich Angewandte Sprachwissenschaft und Dr. Kautz von der Humboldt-Universität Berlin. Im Anschluß daran gab es eine Diskussion und Tips zur Dolmetschpraxis.

Der 3. Teil war der Frage der Fortbildung gewidmet. Da es in der Bundesrepubik Deutschland noch keinen Ausbildungs- bzw. Fortbildungsgang für Dolmetschen gibt, sah man die Notwendigkeit, konkrete Maßnahmen zur Konzipierung eines Fortbildungskurses zu ergreifen. In einer Diskussion im Plenum wurde entschieden, einen weiteren Workshop Dolmetschen durchzuführen.

Dieser Workshop soll ein erster Schritt zu einer langfristigen Curriculumentwicklung für einen Ausbildungsgang Dolmetschen sein. Er kann wichtige Anregungen und Erkenntnisse für die Lehrkräfte und die Teilnehmer bringen, die in die Konzipierung von weiteren Fortbildungskursen für Dolmetschen sowie in die Praxis einfließen können. Zur Konzipierung und organisatorischen Vorbereitung des Workshops wurde eine Arbeitsgruppe mit folgenden Mitarbeitern gebildet: Maria Koch, Universität Heidelberg; Petra Müller, Universität Mainz; Dr. Manfred Frühauf, Sinicum, Bochum; Harald Richter, Auswärtiges Amt, Bonn; Klaus Stermann, OAS, Berlin; Dr. Ulrich Kautz, Humboldt-Universität Berlin (beratende Funktion). Als möglicher Termin für den Workshop wurde der Februar 1991 festgelegt. Dr. Kautz (Humboldt-Universität Berlin) hatte in Aussicht gestellt, in Fragen der Fortbildung mit der Humboldt-Universität Berlin zusammenzuarbeiten. Die Humboldt-Universität hat schon mehrmals Fortbildungsprogramme (Kurzkurse) für Chinesischdolmetscher/innen in der DDR durchgeführt. Der Workshop richtet sich an eine beschränkte Anzahl von Personen, die einschlägige Erfahrungen im Chinesischdolmetschen mitbringen, und ist für Dolmetscher/innen mit Deutsch als Muttersprache konzipiert.

Zur Finanzierung des Workshops wird ein Antrag an die VW-Stiftung gestellt.

Kontakte über P. Müller, FASK Germersheim, Universität Mainz, 76726 Germersheim.

Petra Müller

Fortbildungstagung

für Chinesisch als fakultative Fremdsprache an Gymnasien

Initiiert durch das rheinland-pfälzische Kultusministerium führte das Staatliche Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (SIL) in Speyer in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Chinesisch am 7. September 1989 eine eintägige Veranstaltung zum Thema "Chinesisch: Erfahrungen mit dem Unterricht als fakultative Fremdsprache" durch.

Anlaß für diese Tagung war die rasche Entwicklung des Chinesischunterrichts in Rheinland-Pfalz, wo an immerhin acht Gymnasien Chinesisch-Arbeitsgemeinschaften etabliert sind und das damit an der Spitze aller Bundesländer steht. Bei der ersten Begegnung dieser Art kamen die meisten Kollegen der betreffenden Gymnasien zusammen: OStR Hans-Joachim Posten (Zweibrücken), OStR Albrecht Reuscher (Koblenz), StA Ute Rübel (Trier, Konz), StD Theresia Füchtenschnieder, Frau Yao Wan und Herr Zou Qi (Germersheim). Als Vertreter der Bezirksregierung Neustadt war LRSD Wilfried Hegen und als Referent des SIL Dr. Wolf Böhm anwesend. Um den Erfahrungsaustausch nicht allein auf dieses Bundesland zu beschränken und die teils langjährigen, teils neuen Initiativen anderer Länder in die Diskussion mit einzubringen, nahmen überdies Kollegen aus Baden-Württemberg, Bayern, Bremen und Nordrhein-Westfalen teil. Damit war die Tagung in Speyer neben dem Soester Arbeitskreis im Oktober 1986 (vgl. CHUN Nr. 4/1987) die größte, die bisher zu dieser Thematik in der Bundesrepublik stattgefunden hat. Für den weitgehenden Konsens in grundsätzlichen didaktisch-curricularen Fragen und die konzentrierte Behandlung der fachspezifischen Diskussionspunkte war wohl die Tatsache ausschlaggebend, daß fast alle Teilnehmer aus dem Schuldienst kamen.

Nach der Begrüßung, der gegenseitigen Vorstellung und kurzen Tätigkeitsberichten der Teilnehmer beschrieb Dr. Peter Kupfer (Germersheim) als Leiter der Tagung einleitend die bisherige Entwicklung des Chinesischunterrichts an bundesdeutschen Gymnasien und die entsprechenden Initiativen. Im Zusammenhang mit der Öffnung Chinas hat diese Fremdsprache seit etwa 1984 einen regelrechten Boom erfahren, und die Zahl der Gymnasien mit Chinesischkursen ist inzwischen auf nahezu vierzig gestiegen. Erfreulich ist die zunehmende Zusammenarbeit der Chinesischlehrer der verschiedenen Bundesländer, die ebenfalls um diese Zeit begonnen hat und sich bereits in konkreten Projekten niederschlägt. In einem kurzen Ausblick auf gegenwärtige und künftige Problem- und Aufgabenbereiche wurde vor allem die Notwendigkeit betont, in der weiteren Entwicklung mehr Augenmerk auf die qualitative Förderung und die schwerpunktmäßige Etablierung des Chinesischen als gymnasiale Fremdsprache zu richten. In anschließenden Beiträgen referierten OStR Peter Wittke (Soest) über den Fortgang und Stand des seit 1988 laufenden Richtlinienprojektes für Chinesisch in Nordrhein-Westfalen, OStR Hans-Christoph Raab (Würzburg) als Autor des ersten deutschsprachigen Chinesisch-Lehrwerkes für Gymnasien über die "Erstellung von Lehrprogrammen und -materialien für Chinesisch an Schulen", StR Joachim Appel (Stuttgart) über Erfahrungen im Chinesischunterricht am Marbacher Gymnasium (Baden-Württemberg) und StR Dieter Heilbronn (Bremen) über einen "Lehrplanentwurf für Chinesisch als spätbeginnende Fremdsprache an Bremer Schulen".

Die Teilnehmer waren sich in der Schlußdiskussion darin einig, daß weiterhin mit Nachdruck Maßnahmen zur Institutionalisierung des gymnasialen Chinesischunterrichts verfolgt und die landesübergreifende Kooperation der Kollegen intensiviert werden sollen. Nach der Fertigstellung der Richtlinien in Nordrhein-Westfalen in ein bis zwei Jahren ergeben sich möglicherweise Anreize für entsprechende Vorhaben in den anderen Bundesländern für ein gemeinsames Projekt zur Erstellung eines umfassenden Lehrmaterials und für die Einrichtung eines Studienganges Chinesisch für das Lehramt an einer deutschen Universität.

Die Berichte, Vorträge und Materialien der Speyrer Tagung wurden vom SIL in der Dokumentation "Chinesisch-Unterricht als fakultative Fremdsprache an Gymnasien" zusammengefaßt. Interessenten für diese und weitere Informationen mögen sich wenden an: Fachverband Chinesisch, Postfach 120, 76726 Germersheim. Eine Fortsetzungsveranstaltung ist für Anfang 1991 geplant.

Peter Kupfer